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„Bei uns hat alles Hand und Fuß“ – Maura Visser und Stefan Kutschke im Interview

Eine Handballerin und ein Fußballer im Doppelinterview – geht das? Natürlich geht das! Die 26-jährige Maura Visser zieht seit Sommer 2011 für den Handballclub Leipzig (HCL) und zieht beim deutschen Rekordmeister im linken Rückraum die Fäden. Zudem ist die hübsche Holländerin eine der erfolgreichsten Torjägerinnen beim Leipziger Bundesligisten. Auch Stefan Kutschke geht auf Torejagd – allerdings mit dem Fuß (und Kopf)! Schon neunmal knipste der 23-jährige Mittelstürmer in dieser Saison für die Roten Bullen. Im Interview beurteilten die beiden jeweils die Sportart des anderen, entdecken einige Gemeinsamkeiten und sprechen über die sportlichen Perspektiven ihrer Vereine.

 

Maura, Stefan – sportlich läuft es derzeit sehr ordentlich für eure Mannschaften. Seid ihr zufrieden mit den aktuellen Ergebnissen?

Maura Visser: Ja, wir sind in allen drei Wettbewerben noch gut im Rennen, liegen auf Playoff-Kurs in der Meisterschaft und stehen jeweils im Halbfinale des DHB-Pokals und im Europapokal der Pokalsieger. Aber noch haben wir nichts erreicht. Jetzt beginnen die entscheidenden Wochen.

Stefan Kutschke: Wir haben gegen Plauen einen ganz wichtigen Dreier geholt und damit auch der Konkurrenz bewiesen, dass wir dem Druck gewachsen sind und auch kleine Nackenschläge wegstecken. Auch bei uns geht es jetzt in die wichtigste Saisonphase, in der letztlich die Entscheidung um den Aufstieg fällt.

 

Ihr konntet vor kurzem euren Mannschaften nicht helfen. Maura, du hast wegen eines Nasenbeinbruches gefehlt, Stefan war drei Spiele rot-gesperrt. Es ist schon hart, draußen zu sitzen und nicht eingreifen zu können, oder? (Beide nicken)

Stefan Kutschke: Oh ja! Das ist wirklich nicht einfach. Zumal ich meinen Platzverweis und meine Sperre nicht gerechtfertigt fand. So musste ich einige Spiele zusehen und konnte der Mannschaft nicht helfen. Aber jetzt kann ich glücklicherweise wieder voll mitmischen.

Maura Visser: Ich habe infolge der Verletzung vier Spiele verpasst und bin froh, wieder dabei sein zu können. Wie Stefan schon sagte – das Gefühl, nicht eingreifen zu können, ist wirklich furchtbar.

 

Ist deine Nase wieder komplett in Ordnung?

Maura Visser: Ja, alles ist okay, auch wenn ich natürlich noch ein wenig Angst habe, eins drauf zu bekommen. Aber das blende ich im Spiel aus.

Stefan Kutschke: (begutachtet schmunzelnd die Nase) : Sieht gut aus, ist nicht schief und ohne eine Schramme.

 

Für den HCL geht es gegen den dreimaligen Champions-League-Sieger Viborg aus Dänemark im Europapokal-Halbfinale um eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel, die Roten Bullen wollen gegen Cottbus II den nächsten Heimsieg. In beiden Arenen werden euch die Fans wieder nach vorne peitschen. Hättet ihr aber mit so viel Zuspruch gerechnet, als ihr nach Leipzig gekommen seid?

Maura Visser: Das ist Wahnsinn, wie uns die Fans hier unterstützen. In Holland oder in Dänemark, wo ich zuletzt gespielt habe, sind vielleicht 700 bis 800 Zuschauer bei den Spielen gewesen. Zum HCL kommen im Schnitt fast 2.500 Fans, bei Spitzenspielen sogar 7.000 oder mehr!

Stefan Kutschke: Hier ist einfach ein riesiges Zuschauerpotential da, die Leute in Leipzig und der Region wollen guten Sport und höherklassigen Fußball sehen. In dieser Saison hat uns das Wolfsburg-Spiel im DFB-Pokal einen mächtigen Schub gegeben, und fast 8.000 Fans im Schnitt ist eine super Entwicklung.

 

Wart ihr eigentlich schon einmal bei einer Begegnung der anderen Mannschaft?

Maura Visser: Wir haben mit dem ganzen Team die beiden DFB-Pokalspiele der Roten Bullen besucht. Es ist ein tolles Stadion, und die Kulisse mit jeweils über 30.000 Zuschauern hat mich sehr beeindruckt. In dem Stadion haben ja bei der WM 2006 auch die Holländer gespielt und in Leipzig eine riesige orange Party gefeiert (lacht).

Stefan Kutschke: Ich habe in dieser Spielzeit das Derby des HCL gegen den Thüringer HC gesehen!

Maura Visser (schaut verlegen nach unten): Eines unserer schwächsten Saisonspiele – wir haben 19:28 verloren.

Stefan Kutschke: Ich fand es trotzdem sehr interessant. Carsten Kammlott war mit dabei und hat sich als Thüringer natürlich für den THC gefreut. Es wird garantiert nicht mein letztes Spiel sein, das ich besucht habe.

 

Habt ihr selbst mal die andere Sportart ausprobiert?

Stefan Kutschke: Nee, wir haben auch im Schulsport nie Handball gespielt, und für mich gab es immer nur Fußball.

Maura Visser: Ich habe ein abgeschlossenes Studium zur Sportlehrerin. Während der Ausbildung haben wir uns auch mit Fußball beschäftigt, aber richtig gekickt habe ich noch nie.

 

Und welche Positionen würdet ihr als Fußballerin bzw. Handballer spielen wollen?

Maura Visser: Hmm, ich spiele beim HCL im Rückraum Mitte, bin also die Spielmacherin. Ich denke, die Position als Nummer zehn hinter den Spitzen würde mir auch im Fußball liegen. Stefan Kutschke: Also, ich sehe mich eher als Torwart. Obwohl (überlegt) … auch als Kreisläufer, wo man sich richtig reinwerfen kann, hätte ich bestimmt Spaß.

 

Gibt es etwas, was euch an der anderen Sportart besonders fasziniert? Maura Visser: Im Fußball wird ja oft taktiert, und das Tempo variiert – im Handball geht es 60 Minuten hin und her. Aber wenn schnell auf Angriff umgeschaltet wird, ist das schon sehr interessant.

Stefan Kutschke: Maura hat es erwähnt – im Handball gibt es eigentlich die ganze Zeit nur Vollgas, und zudem ist es eine der härtesten Sportarten überhaupt. Was die Sportler leisten, ist beeindruckend. Es kann jede Minute etwas passieren, im Fußball passiert manchmal in 90 Minuten gar nichts.

 

 

Ihr kommt beide aus sportbegeisterten Familien. Was haben euch eure Eltern mitgegeben?

Maura Visser: Meine Eltern waren beide Handballprofis. Meine Mutter hat als Linksaußen gespielt, von ihr habe ich wohl die Fähigkeit für schnelle Bewegungen mitbekommen. Mein Vater war auch Spielmacher und hat mir quasi diese Position vererbt.

Stefan Kutschke: Ich habe die Ausdauerfähigkeit meiner Mutter, die DDR-Meisterin im 800-Meter-Lauf war, im Blut. Väterlicherseits hat schon immer der Fußball dominiert, auch wenn keiner Profi war. Mein Opa war zum Beispiel Teambetreuer bei Dynamo Dresden.

 

Und von Wem hast du dein Temperament auf dem Rasen?

Stefan Kutschke: Das ist mein ganz eigener Siegeswille, ich will immer alles geben. Darüber hinaus bin ich ein verdammt schlechter Verlierer, und das muss dann auf dem Platz eben auch raus!

 

Ihr habt nicht nur den Leistungssport und sportbegeisterte Vorfahren gemeinsam. Auch die Vorliebe für Hunde…!

Maura Visser (streichelt liebevoll ihren Chihuahua): Stimmt, ich habe Chico seit drei Jahren, und er reist sozusagen mit mir durch die Welt – Holland, Dänemark und jetzt Deutschland.

Stefan Kutschke: Ich bin wortwörtlich durch Daniel Frahn auf den Hund gekommen (lacht). Frahni hatte zu unserer Babelsberger Zeit schon einen Hund, und dann habe ich mir auch einen gekauft. Balu, ein Jack-Russel-Beagle-Mischling, ist jetzt schon fast vier Jahre ein treuer Begleiter. Für mich ist es ein schöner Ausgleich, mit meinem Hund spazieren zu gehen oder mit ihm an der Leine um den Cospudener See zu radeln.

 

Maura, gibt es neben Chico auch einen menschlichen Mann an deiner Seite?

Maura Visser (grinst): Nein, ich bin noch solo.

 

In einem Interview war zu lesen, dass dein Traummann groß, sportlich und ein Macho sein sollte?

Maura Visser: Groß und sportlich, ja – aber das mit dem Macho ist nicht richtig!

 

Stefan würde also ins Schema passen? (beide lachen)

Maura Visser: Nicht ganz, denn mein Traummann sollte auch Holländer sein.

Stefan Kutschke: Außerdem bin ich sehr glücklich vergeben.

 

Was die Frage in Richtung Zukunft aufwirft! Habt ihr schon entfernte Pläne für die Zeit nach der Sportkarriere?

Maura Visser: Wie ich schon sagte, ich habe Sportlehrerin studiert und könnte mir schon vorstellen, diesen Beruf auch auszuüben. Aktuell betreue ich zum Beispiel nebenbei noch die Mädels der HCL-A-Junioren, was mir viel Spaß macht. Doch ich lasse mir für die Zukunft alles offen.

Stefan Kutschke: Die Arbeit mit dem Nachwuchs ist mir auch sehr wichtig. Bei uns wurde ja gerade das RB-Patenschaftsprojekt ins Leben gerufen. Das ist eine super Sache, und ich habe meine Patenmannschaft, die U17, bereits bei einem Spiel besucht und war mit ihnen zusammen im Stadion bei den Profis. Für die Jungs ist es wichtig, zu spüren, dass wir als Profis auch ganz normale und lockere Menschen sind.

 

Also ist euch die Vorbildfunktion extrem wichtig?

Stefan Kutschke: Definitiv! Meinen Eltern war es wichtig, dass ich zusätzlich zum Sport eine Ausbildung abschließe. Ich habe eine Ausbildung im öffentlichen Dienst gemacht und so auch eine Basis für die Zeit nach dem Fußball gelegt. Aber auch der Bundesgrenzschutz oder Fallschirmjäger bei der Bundeswehr würden mich reizen.

 

Wir haben Anfangs über die Wochen der Entscheidungen gesprochen. Abschließend eure Erwartungen für die nächste Zeit.

Maura Visser: Im besten Fall können wir mit dem HCL drei Titel gewinnen – das wäre sensationell, ist aber noch ein hartes Stück Arbeit, doch wir sind gerüstet. Und dann hoffe ich, dass wir uns mit den Niederlanden für die Olympischen Spiele in London qualifizieren können – dort dabei zu sein ist ein Traum für jeden Sportler und jede Sportlerin.

Stefan Kutschke: Ich kann es kurz und knapp machen. Wir wollen in Liga 3. Es wird ein enges Finale, aber ich bin überzeugt, dass wir am Ende feiern dürfen.

 

Interview: Stephan Lochen für RB Leipzig

Fotos: Thomas Eisenhut

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