Noch läuft der HCL-Motor nicht auf Hochtouren, aber er kommt in Fahrt. Nach dem glücklichen Remis gegen Leverkusen bezwangen die Leipzigerinnen gestern den VfL Oldenburg 28:25 (15:13) und zogen nach Punkten mit Tabellenführer Thüringer HC gleich. Die lange verletzte Karolina Kudlacz warf ihre ersten Saisontore.
Außer den zwei Punkten die beste Nachricht des Tages: "Karo" ist wieder da. Nach vier Spielminuten kam die Polin aufs Parkett, nach zwölf Minuten warf sie ihr erstes Tor (zum 4:4) und nach 60 Minuten strahlte sie. "Nach den ganz kurzen Einsätzen in Blomberg und Leverkusen war das heute mein erstes Spiel. Ich sehe die Lücken wieder, treffe ins Tor, Zuspiele kommen an", freute sich Karolina Kudlacz über ihr "echtes Comeback". Und darüber, dass der Fuß nicht schmerzt, "auch wenn die Bänder im Knöchel noch schwach sind". Der HCL-Star erzielte vier Tore, holte einen Siebenmeter raus, überzeugte mit vier, fünf tollen Anspielen. "Aber sechs Monate Pause kann man nicht in zwei Wochen nachholen", sagte sie, "und mein Motto lautet: Es kann immer besser werden."
Das gilt exemplarisch für den gesamten HCL. Leipzig war gestern das bessere Team, lag seit dem 6:5 (16.) immer und gefühlt immer ganz klar in Führung. In Wahrheit waren die Gastgeberinnen aber nie mehr als mit drei Treffern, in Halbzeit zwei meist nur mit einem Tor im Plus. "Weil wir zu viele einfache Gegentore kassiert haben, Abpraller zum Beispiel", monierte Kapitän Katja Schülke, die aber auch sagte: "Ich hatte nie das Gefühl, wir könnten verlieren." So erging es auch Coach Stefan Madsen, der mit dem Auftritt seines Teams zufrieden war. "Mit dem Erfolg kommt die Sicherheit. Das war heute viel besser als gegen Leverkusen. Die Richtung stimmt", sagte der junge Däne. Madsen wirkte ausgesprochen gut gelaunt und war zum Scherzen aufgelegt. "Wir hatten uns vorgenommen, nicht mehr als 25 Gegentore zu kassieren. Deshalb hatte ich beim letzten Siebenmeter große Angst", meinte er in Anspielung auf den Strafwurf für den VfL sechs Sekunden vor Schluss. Den konnte die sonst sichere Angie Geschke nicht verwandeln - so blieb es bei 25. Apropos Siebenmeter: Mit einer makellosen Quote von 4/4 zeigte die unverwüstliche Mette Ommundsen mal wieder, wie wichtig sie noch für den HCL ist.
Ursprünglich wollte die Norwegerin wegen der vielen Verletzungen nur aushelfen. Gestern kündigte sie an, doch bis Saisonende mitzumischen. "Es macht mir einfach viel Spaß." Spaß dürfte es auch einigen nicht alltäglichen Gästen in der Arena gemacht haben. Der amerikanische Generalkonsul Mark J. Powell schaute sich Frauenhandball an, vor vier Tagen wurde er schon beim Eishockey gesichtet. Mit dem Japaner Tetsuhisa Usui war der "exotischste" und mit Sicherheit am weitesten gereiste HCL-Fan in der Halle. Und mit Ulrike Stange auch eine ehemalige HCL-Spielerin, die mittlerweile mit Per Mertesacker in London wohnt und zum Kurzurlaub in der Heimat weilt .