HC Leipzig kassiert in Oldenburg erste Bundesliga-Niederlage
Der HC Leipzig hat am Sonntag in der Bundesliga seine erste Saison-Niederlage kassiert. Der deutsche Meister verlor beim VfL Oldenburg mit 32:36 (20:15) und verpasste damit die Revanche für das verlorene Supercup-Finale vor sieben Tagen. Vor 1.570 Zuschauern verspielte das Team von Trainer Heine Jensen dabei einen Acht-Tore-Vorsprung (18:10/23.). Beste Leipziger Schützin war Mette Ommundsen mit neun Treffern. Bei der Oldenburger Aufholjagd traf Sabrina Neuendorf (12/6) am häufigsten.
In der ersten Hälfte hatte es noch nicht nach einem Oldenburger Sieg vor 1.570 letztlich begeisternden Zuschauern ausgesehen. Die Gäste, offenbar nach der jüngsten Niederlage auf eine Revanche aus, beherrschten von Beginn an das Geschehen auf der Platte. Im Positionsspiel fand die VfL-Deckung keine Mittel gegen die starken Rückraumspielerinnen Karolina Kudlacz, Susann Müller und Anne Ulbrich, zudem fassten die Torfrauen Tatiana Surkova und - zwischen der 11. und 21. Minute - Julia Renner erstmal keinen Ball an. Es war auch nicht einfach gegen die platzierten Würfe der Gäste, die auch hinten die meisten Angriffe entschärften und Gegenstoß um Gegenstoß liefen. Oldenburg hingegen kam mehrheitlich über Verlegenheitswürfe oder -pässe zum Abschluss. Das 0:2 konnte Wiebke Kethorn mit zwei Treffern vom Kreis noch ausgleichen (jeweils nach Bodenpässen von Natalja Parchina und Angie Geschke), danach wurde die Partie einseitig. In der achten Minute traf Geschke den HCL-Block, den Konter verwertete Rechtsaußen Mette Ommundsen mit ihrem bereits dritten Treffer zum 6:2. Bei 3:8 (11.) aus Oldenburger Sicht nahm Trainer Leszek Krowicki eine Auszeit, Leipzig störte dies aber nicht: Kudlacz sorgte mit einem Flachwurf das 9:3. Wieder in Ballbesitz warfen zuerst Sabrina Neuendorf und dann zweimal Parchina in den HCL-Block, ehe Natalie Augsburg auf der Gegenseite auf 10:3 erhöhte (14.). Oldenburg versuchte sich gegen die Niederlage zu stemmen, zunächst allerdings vor allem kämpferisch.

Ulrike Stanges 6:12 per Heber von Rechtsaußen nach schnellem Spiel und abschließendem Pass von Anita Herr deutete allerdings an, dass Oldenburg durchaus auch spielerisch die 6-0-Abwehr des HCL überwinden kann. Hinten parierte Surkova in der 21. Minute gegen Sara Eriksson ihren ersten Wurf, kurz danach verwandelte Herr den ersten Siebenmeter der Partie zum 10:16. Mit dem 18:10 (23.) stellte Augsburg per Konter den höchsten Vorsprung her, doch kurz danach fing Parchina erstmals einen langen Ball der Gäste ab. Mit vereinten Kräften und einer kleinen taktischen Umstellung - Barbara Hetmanek deckte bis zur Pause Kudlacz kurz - wehrten sich die Oldenburgerinnen nun gegen eine drohende Demontage. Mit Erfolg: Kethorn traf nach Geschke-Pass vom Kreis (12:18/26.), Stange nach Neuendorf-Zuspiel erneut von Außen (13:19/27.). Auch der nächste Angriff hatte Erfolg: Kethorn warf nach Neuendorf-Pass das 14:19. Oldenburg ging zwar mit einem 15:20-Rückstand aber zunehmenden Schwung in die Kabinen. Nach der Pause begann die Show der Sabrina Neuendorf. Die Aufbauspielerin, die am vergangenen Mittwoch beim 29:31 bei ProVital Blomberg früh eine umstrittene Rote Karte gesehen hatte, spielte sich ihren ganzen Frust von der Seele und warf bis zur 38. Minute (20:21) fünf Oldenburger Tore. Mit Neuendorf steigerte sich die gesamte VfL-Mannschaft, die in der Abwehr nach der Pause etwas offensiver und deutlich aggressiver agierte. "Nach den ersten Toren wusste ich, dass noch was drin ist", drückte Ex-HCL-Spielerin Stange nach dem Spiel aus, was die Zuschauer spätestens nach dem letzten Gäste-Aufbäumen fühlen durften. Kudlacz und zweimal Ommundsen schraubten die Führung des Tabellenführers auf 24:20 (40.) hoch, die Intensität des VfL-Spiels litt darunter aber nicht.

Geschkes ansatzloser Wurf zum 21:24 und Kethorns Heber vom Kreis (22:24/42.) ließen die VfL-Anhänger nämlich wieder jubeln. Oldenburg überstand auch eine Schreckminute, als Julia Wenzl nach einem Foul von Maike Daniels behandelt werden musste. Die immer besser werdende Wenzl konnte nach Neuendorfs Strafwurf zum 23:24 (43.) zur Erleichterung aller weitermachen. Leipzig kam in der Folge fast nur noch über Einzelaktionen zum Erfolg, Oldenburg hingegen hatte längst die Rolle des HCL aus Hälfte eins übernommen. Erstmals zum Ausgleich kam der VfL durch einen Konter Kethorns, bei dem die Nationalspielerin die Hilfe des Innenpfostens benötigte. "Ein Glück, dass der reingegangen ist", atmete die 24-Jährige später noch auf. Neuendorf gönnte sich in der zweiten Hälfte bis zur 49. Minute 120 Sekunden Pause auf der Bank. Kaum wieder im Spiel wurde die 25-Jährige beim Wurf gefoult. Den Strafwurf verwandelte sie selbst sicher zum 27:27. Wieder verlor Leipzig daraufhin den Ball an die aufmerksame Geschke, die den Konter selbst durchbrachte: 28:27. Erstmals nun führte der VfL. Nach Müllers Ausgleich (51.) traf Wenzl von links nach Parchina-Zuspiel zur erneuten Führung. Dann gewann wieder Geschke den Ball und bediente im Fallen die davon eilende Wenzl. Im Spiel gegen den Champions League-Teilnehmer hatte sich nun auf den Tribünen echte Europapokal-Atmosphäre entwickelt. Wieder kam der HCL durch Einzelaktionen zu Toren: Müller zum 29:30 (52.), Anne Ulbrich zum 31:33 (55.). Ansonsten regierte nur der VfL, spielte wieder so variabel wie beim Erfolg im Supercup: Parchina nutzte eine Lücke zum 33:30 und traf zum 34:31 (56.) von Rechtsaußen. Während die Zuschauer ihren VfL in den letzten Minuten mit stehenden Ovationen feierten, setzten die Gäste auf eine offene Deckung.

Die Partie aber war längst entschieden. Den Schlusspunkt setzte die überragende Neuendorf bei einem Vorstoß zum Kreis, bei dem es so aussah, als würden die Leipziger Abwehrspielerinnen respektvoll Spalier stehen. Der Leistung Neuendorfs und der gesamten Oldenburger Mannschaft in der zweiten Halbzeit wäre das durchaus angemessen gewesen. Zu dieser denkwürdigen und insgesamt sehr guten Partie hatten auch die Gäste einen großen Teil beigetragen. "Unsere Unkonzentriertheiten haben Oldenburg ins Spiel gebracht", ärgerte sich Susann Müller. Karolina Kudlacz ergänzte: "Die erste Hälfte war noch super, da waren wir richtig konsequent. Dann haben wir uns aber taktisch neu aufgestellt, der Rückraum wurde schlechter und wir haben zu viel alleine versucht." Die Gründe für die beiden Niederlagen gegen den VfL sah die polnische Nationalspielerin auch in der langen Pause wegen der WM in China: "Wir waren über einen Monat nicht zusammen, das wirkt sich immer noch aus. Am Mittwoch spielen wir gegen Leverkusen: Da haben wir wieder eine neue Chance." Dann wird vielleicht auch Ania Rösler wieder dabei sein. Die Nationalspielerin begleitete zwar ihre Mannschaft nach Oldenburg, konnte aber wegen des Anbruchs des Mittelfingers der linken Hand noch nicht spielen. Am morgigen Montag soll ihre Wurfhand nochmals untersucht werden. Unterdessen feierten die Oldenburgerinnen den ersten Sieg in der Bundesliga über den Rekordmeister: "Das ist ein großer Sieg. Wichtig war, dass wir in der zweiten Hälfte die Angriffe länger ausgespielt haben und trotzdem das Tempo verschärfen konnten", sagte VfL-Spielführerin Neuendorf und erkannte: "Der Sieg in Rotenburg war kein Ausrutscher. Wir können mit jedem Team in der Liga mithalten, uns fehlt nur die Konstanz."

Stimmen zum Spiel:
Leszek Krowicki, Trainer VfL: Unser Kampfgeist in der zweiten Halbzeit hat das Spiel entschieden. Es war aber auch wichtig, dass wir die Geduld behalten haben. Mit länger ausgespielten Angriffen haben wir die Leipziger Deckung müde gespielt und so langsam Oberwasser bekommen. Ich gebe zu, wir haben lange nicht an einen Sieg geglaubt. Aber nach der Pause hat sich die ganze Mannschaft gesteigert.
Heine Jensen, Trainer HCL: Glückwunsch an Oldenburg, das war ein verdienter Sieg. Ich bin natürlich nicht zufrieden, aber ich muss auch feststellen, dass es diese Liga interessant macht, dass sich keine Mannschaft ihrer Sache niemals zu sicher sein kann. Zum Spiel möchte ich sagen, dass Oldenburg die Hand, die wir gereicht haben, dankbar ergriffen hat. Wegen des Ausfalls von Ania Rösler fehlte uns im Rückraum noch eine wichtige Alternative. Aber wie gesagt: Der Oldenburger Sieg war verdient. Der VfL gut gespielt und die Emotionen und den Glauben an sich selbst sehr gut genutzt. Am Mittwoch gegen Leverkusen werden wir uns steigern müssen.
Quelle: www.hbvf.de
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VfL Oldenburg 36 |
HC Leipzig 32 |
| Datum: | 03.01.2010 16.30 Uhr |
| Spielstätte: | EWE-Arena Oldenburg |
| Zuschauer: | 1.570 |
| Zeitstrafen: | VfL: 0x2 Min.; HCL: 2x2 Min. |
| Siebenmeter: | VfL: 7/7; HCL: 1/0 |
| Schiedsrichter: | Matthias Brauer und Kay Holm |
| Multimedia: | |
| Spiele und Tore VfL: | 1 Julia Renner |
| 5 Kim Balthazar | |
| 6 Barbara Hetmanek | |
| 7 Maike Schirmer | |
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9 Julia Wenzl (5) |
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| 10 Monic Burde | |
| 12 Tatjana Surkova | |
| 15 Wiebke Kethorn (6) | |
| 18 Sabrina Neuendorf (12/6) | |
| 20 Ulrike Stange (3) | |
| 21 Angie Geschke (7) | |
| 23 Birte Barger | |
| 25 Anita Herr (1/1) | |
| 33 Natalja Parchina (2) | |
| Spiele und Tore HCL: | 12 Katja Schülke |
| 25 Julia Plöger | |
| 3 Mette Ommundsen (9) | |
| 4 Sara Holmgren (2) | |
| 5 Anne Ulbricht (4) | |
| 7 Natalie Augsburg (4) | |
| 8 Maike Daniels | |
| 11 Sara Eriksson | |
| 14 Karolina Kudlacz (6) | |
| 17 Lisa Wiren (1) | |
| 22 Susann Müller (5) | |
| 23 Renate Urne (1) |