Leipziger Volkszeitung vom 04.01.2010

Geführt, geschlafen, verloren

Erste Niederlage der Bundesliga-Saison für den HCL: 32:36 nach 18:10-Vorsprung in Oldenburg

 

Oldenburg/Leipzig. Nun hat es die Leipziger Handballerinnen auch in der Bundesliga erwischt. Nach einer schwachen zweiten Halbzeit bezog die HCL-Sieben gestern zum Rückrundenstart in Oldenburg mit 32:36 (20:15) die erste Niederlage der Spielzeit. Vor genau einer Woche hatte Leipzig bereits im Supercup mit 28:30 gegen die Norddeutschen verloren. Die Mannschaft von Trainer Heine Jensen bleibt jedoch Spitzenreiter, da Verfolger Leverkusen daheim gegen Frankfurt/Oder über ein 26:26 nicht hinauskam. 21 Gegentore in den zweiten 30 Minuten sind aus Leipziger Sicht einfach nur katastrophal - zumal der HCL eine knappe Woche vor dem wichtigen Champions-League-Spiel in Koprivnica eigentlich eine ansteigende Form nachweisen wollte. Manager Kay-Sven Hähner und Coach Jensen sahen das Problem im mentalen Bereich: "Einige dachten offenbar, das Ding ist durch", meinte Hähner: "Da haben sie sich aber mächtig getäuscht. 30 starke Minuten reichen gegen diesen Gegner definitiv nicht. Es ist keine Schande, in Oldenburg zu verlieren. Aber eine so klare Führung dürfen wir nicht aus der Hand geben. Da tröstet auch der Punktverlust von Leverkusen nicht."

 

Vor allem bemängelte der Manager das halbherzige Zurücklaufen nach den häufigen Ballverlusten. So kam der VfL in Hälfte zwei zu elf Kontertoren. Jensen konnte sein Team auch mit deutlichen Worten in der Auszeit zehn Minuten vor Schluss nicht ins Spiel zurückbringen. Dem Coach fiel keine vergleichbar schwache Halbzeit unter seiner Regie ein: "Wir haben einfach schlecht gespielt. Wir hatten uns zur Pause vorgenommen, weiter 100 Prozent dranzubleiben. Das ist uns nicht gelungen. Wir sollten jetzt bei aller Kritik aber nicht vergessen, dass wir ganz oben stehen." Nach 30 Minuten klang Kay-Sven Hähner noch euphorisch: "Wir spielen heute hochkonzentriert, stehen gut in der Abwehr und nutzen unsere Chancen." Im Gegensatz zum 28:30 vor Wochenfrist im Supercup hatte der HCL diesmal in der Anfangsphase vor allem Goalgetterin Angie Geschke bestens im Griff. Sie scheiterte gleich mit ihren ersten beiden Fernwürfen an Katja Schülke, danach begab sie sich in viele Zweikampfsituationen, aus denen meist die Leipziger Deckungsspezialistin Sara Eriksson als Siegerin hervorging.

 

Vorn zauberten die Gäste sogar - zum Beispiel bei einem Flieger, den Karolina Kudlacz vorbereitete und Natalie Augsburg gekonnt abschloss. Von der anderen Seite verwandelte Mette Ommundsen fast alle Würfe sicher, so dass die Gäste ein scheinbar beruhigendes 18:10 (24. Minute) herauswarfen, ehe die Partie kippte und die 1570 Zuschauer aufwachten. Oldenburg bleibt der Angstgegner der Saison, den die Leipzigerinnen bereits im September daheim nur knapp und glücklich mit 33:32 bezwingen konnten. Am Mittwoch präsentiert sich der HCL erstmals 2010 vor heimischem Publikum - dann hoffentlich über 60 Minuten hochkonzentriert. Im Topspiel gegen Leverkusen soll die Tabellenspitze verteidigt werden. "Wir müssen wieder an uns glauben", mahnte Jensen: "Wir haben ja auch heute anfangs gezeigt, dass wir es besser können."

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