Leipziger Volkszeitung vom 14.05.2010

Eine Halbzeit wie im Rausch

 

HC Leipzig gewinnt Final-Hinspiel bei Bayern Leverkusen mit 28:26 (16:10)

 

Der erste große Schritt ist gemacht, die Ausgangsposition glänzend: Nach dem 28:26 (16:10)-Erfolg im Final-Hinspiel bei Bayer Leverkusen steht die Tür zur Titelverteidigung für den HC Leipzig weit offen. Beim Rückspiel am Sonntag (15 Uhr) in der Arena soll der sechste deutsche Handball-Meistertitel mit einer großen Party gefeiert werden. "Aber das wird noch spannend, entschieden ist gar nichts", glaubt HCL-Trainer Heine Jensen.

 

Die Gastgeber geben gestern alles, um aus dem ersten Endspiel ein Fest zu machen. Eine Live-Band spielt auf ("Wir helfen den Elfen mit Mann und Maus"), die Handball-Hymne ("Wenn nicht jetzt, wann dann") der Höhner dudelt, lokale Politprominenz sowie die Bundestrainer Rainer Osmann und Heiner Brand flankieren DHB-Boss Ulrich Strombach. Doch die Leipziger erweisen sich schnell als Stimmungskiller. Mit einer sensationellen ersten Halbzeit führen sie Bayer teilweise vor. Dem HCL gelingt einfach alles, er spielt sich in einen wahren Rausch - überragend in der Abwehr mit einer starken Katja Schülke im Tor, brillant im Angriff mit null Fehlern und Traum-Kombinationen. Als Sara Holmgren nach 24 Minuten zum 7:15 einlocht, ist in der mit 2800 Zuschauern gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Halle nur noch der Leipziger Anhang zu hören. Der Rest ist schlichtweg entsetzt. Die beste HCL-Halbzeit seit Urzeiten, registrieren lang gediente Anhänger. "Leipzig kann den Champagner kalt stellen", tönt ein Reporter ins Mikro. Falsch.

 

"Uns war klar, dass das nicht so weitergehen würde", sagt Jensen. Leverkusens Anne Müller berichtet von "deutlichen Worten" ihrer Trainerin Renate Wolf in der Kabine. So erlebt das Publikum eine völlig andere zweite Halbzeit. Mit vier Paraden in Folge gibt Bayer-Keeperin Clara Woltering das Signal zur Aufholjagd, beim 20:20 (45.) kocht die Halle. Leipzig wackelt, fällt aber nicht. Jensen nimmt Auszeit, beruhigt die Seinen, danach übernehmen die Rösler, Kudlacz, Müller und Co. wieder das Kommando. In der Schlussviertelstunde kämpfen beide Teams auf Biegen und Brechen um und gegen jeden Treffer. Ein gehaltener Siebenmeter von Katja Schülke 15 Sekunden vor Schluss ist die letzte Aktion des hochklassigen Matches. "Vielleicht ist es fürs Rückspiel ganz gut so, dass es so knapp ausgegangen ist. Da müssen wir am Sonntag 60 Minuten richtig Gas geben", findet Katja Schülke. Und: "Das Ergebnis ist absolut keine Vorentscheidung." Clara Woltering sieht das auch so. "Der Druck liegt bei Leipzig. Wir haben mit dem Pokal schon einen Titel", sagt die Auswahlkeeperin, "außerdem spielen wir sehr gerne in Leipzig." Dass in Bezug auf die Meisterschaft noch gar nichts geklärt ist, ist allgemeiner Konsens. "Die ist noch absolut offen", meint auch Ulrich Strombach, der zudem urteilt: "Ein richtig tolles Spiel. Das waren zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten, wie so oft im Frauenhandball." Dem mag sich Heiner Brand nicht anschließen: "Dazu habe ich zu wenige Frauenspiele gesehen. Aber das hier, das hat richtig Spaß gemacht."

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Sa. 11.09.10, 16:00 Uhr
FHC Frankfurt/Oder - HCL

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