HCL-Manager Kay-Sven Hähner hat 3000 gelbe T-Shirts mit "Deutsche Meisterschaft - Finale 09/10" bedrucken lassen. Die Spielerinnen trugen sie gestern zur Probe, zum Endspiel am Sonntag (15 Uhr) gegen Bayer Leverkusen werden die Shirts für drei Euro verkauft. Wir unterhielten uns mit Kapitän Katja Schülke (26), Karolina Kudlacz (25), Mette Ommundsen (33), Ania Rösler, die gestern ihren 28. Geburtstag feierte, und Manager Kay-Sven Hähner über das Finale, den HC Leipzig und Besonderheiten des Frauenhandballs.
Frage: Haben Sie schon Glückwünsche zur Meisterschaft erhalten?
Ania Rösler: Nein, wir nehmen auch noch keine entgegen!
Warum nicht, Sie haben das Hinspiel mit 28:26 gewonnen ...
Ania Rösler: Wir lagen in Leverkusen auch schon mit acht Toren vorn. Das kann so schnell kippen. Das letzte Heimspiel gegen Leverkusen haben wir auch verloren.
Katja Schülke: Im Pokal mit drei Toren Differenz. Das darf Sonntag nicht passieren. Wir haben alles in der Hand.
Wie kam es damals dazu?
Katja Schülke: Wir kamen aus der Champions League, waren körperlich ziemlich k.o. Am Mittwoch hat man gesehen: Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit, dann gewinnen wir. Aber die zweite Halbzeit hat das Gegenteil gezeigt. Wir dürfen nicht denken, dass wir mit mit zwei Toren vorn liegen.
Hört sich fast so an, als ob es nicht wichtig wäre, dass man ein Spiel mit zwei oder vier Toren gewinnt. Gibt es eine Grenze, an der man sagt: Das reicht jetzt?
Karolina Kudlacz: Ich glaube nicht, dass es so eine Grenze gibt. Auch ein großer Vorsprung kann kippen. Am besten, man gewinnt jedes Spiel, da muss man nicht rechnen.
Kay-Sven Hähner: Flensburg hat mal in Paris mit 13 Toren verloren, das Rückspiel mit 13 plus gewonnen und ist dank der Auswärtstorregel weitergekommen. Das gibt's im Handball und hat nichts mit Frauen zu tun.
Gibt es einen Unterschied zwischen Männer- und Frauenhandball?
Ania Rösler: Es sind eigentlich zwei verschiedene Sportarten. Frauenhandball ist viel taktischer. Bei den Männern ist die Physis ausschlaggebender als bei uns. Der Kreisläufer ist die zentrale Position und aus dem Rückraum wird geballert, was geht. Bei uns muss man mehr mit Spielzügen arbeiten.
In Leipzig ist Männerhandball mit dem Aufstieg des SC DHfK zurzeit Thema. Fühlen Sie sich in der Stadt ausreichend anerkannt?
Katja Schülke: Wir können nur mit Leistung überzeugen, brauchen uns aber nicht zu verstecken. Wir bekommen die Halle voll, führen mit großem Vorsprung auch die Zuschauertabelle in der Liga an. Was den Männerhandball betrifft, können wir relativ entspannt abwarten.
Ania Rösler: Um in der Männer-Bundesliga in der Spitze mitzuspielen, braucht man einen Etat von zwölf Millionen, da sind sie noch weit von entfernt. Aber ich find's ganz schön, dass es noch eine andere attraktive Mannschaft in der Stadt gibt. Man kann da Events zusammen machen und vielleicht auch begeisterten Männerhandball-Fans zeigen, dass auch wir schönen Handball spielen. Ich habe oft erlebt, dass Leute erst sagen: Frauenhandball, wie öde. Dann sehen sie ein Spiel, staunen und sagen: Die können ja doch was, das ist nicht nur Pferderennen mit Kühen.
Der Spruch ist in Leipzig nicht zu hören.
Ania Rösler: Stimmt, hier ist es anders. Wenn wir in Nürnberg vor voller Halle gespielt haben, dann ist das so wie in Leipzig an einem Mittwoch gegen Celle. Es ist einfach ein Wahnsinn, was hier mit den Fans läuft.
Was ist sonst so besonders am HCL?
Ania Rösler: Der Verein spielt jahrelang ganz oben, ist immer wieder Titelanwärter. Und natürlich die ausgeprägte Fankultur, das ist nicht vergleichbar.
Kay-Sven Hähner: Wir sind die einzige Konstante in der Bundesliga. Schnell mal hochkommen, ist das eine. Sich etablieren ist mehr. Wir haben mit Walle Bremen um den Titel gestritten, dann mit Lützellinden, dann mit Nürnberg - die gibt's alle nicht mehr. Wir haben keinen Superstar, aber viele gute Spielerinnen. Die mannschaftliche Geschlossenheit ist unsere Stärke. Aber wir sind nicht am Ende unserer Entwicklung.
Wohin geht die mittelfristig?
Kay-Sven Hähner: Wir wollen in der Champions League auch mal die nächste Runde erreichen. Wäre das Halbfinale, aber das hängt von vielen Faktoren ab, Losglück, Tagesform, Verletzungspech und so weiter.
Haben die Top-Teams der Champions League einen breiteren Kader als der HCL?
Mette Ommundsen: Die haben mehr Erfahrung. Die meisten von uns haben doch zum ersten Mal auf so einem Niveau gespielt.
Karolina Kudlacz: Sehe ich auch so, Erfahrung ist extrem wichtig. In der nächsten Saison sind wir viel klüger. Da wissen wir, was uns erwartet. Dieses Jahr war alles ein großes Fragezeichen.
Wird der HCL in der Bundesliga zu selten gefordert?
Kay-Sven Hähner: Stimmt nicht, die Bundesliga ist in der Breite viel stärker als alle anderen europäischen Ligen. Bei uns kannst du auch beim Zehnten verlieren, das geht in Norwegen oder Dänemark nicht. Andere konzentrieren sich nur auf die internationalen Spiele. Ljubljana zum Beispiel, da gibt's gar keine nationale Liga. Die Auswärtsfahrten bei uns sind Wahnsinn. Wir haben mit Györ gesprochen. Deren weiteste Auswärtsfahrt ist unsere kürzeste, 140 Kilometer nach Erfurt. Die Reisebelastung ist nervig.
Ania Rösler: Wie jetzt Leverkusen. Das Spiel an sich ist nicht so schlimm. Aber dann sitzt du fünf Stunden im Bus und danach tut einfach alles weh, wie wenn ein Lkw über dich gefahren ist.
Katja Schülke: Eigentlich müssen wir uns nicht beschweren. Was haben wir denn in der Bundesliga verloren, zwei Spiele, mehr nicht.
Karolina Kudlacz: Aber wir haben noch nichts in der Hand.
Was passiert noch bis Sonntag?
Ania Rösler: Erst einmal grillen wir zu meinem Geburtstag.
Karolina Kudlacz: Der Ablauf soll so sein wie vor jedem Punktspiel. Ich will nicht so viel an Handball denken.
Mette Ommundsen: Ich denke auch oft an das Spiel, aber ich bin jetzt noch nicht so extrem aufgeregt. Das kommt erst am Spieltag, da merke ich es im Bauch. Aber mir machen solche Spiele Spaß, Spiele gegen große Gegner.