Leipziger Volkszeitung vom 17.05.2010

Konfetti, Sekt und große Gefühle

Frauen des HC Leipzig sind nach dem 22:22 gegen Bayer Leverkusen erneut deutscher Handballmeister

 

Um 16.27 Uhr hat das Zittern ein Ende: Zwei Sekunden vor dem Schlusspfiff trifft Susann Müller zum 22:22, danach brechen alle Dämme. Nach dem 28:26-Sieg im Hinspiel verteidigt der HCL Leipzig damit den Titel, die Spielerinnen und knapp 6000 Zuschauer feiern euphorisch den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Es ist der sechste gesamtdeutsche Titel, zuvor gewannen Leipziger Handballerinnen 15 Mal die DDR-Meisterschaft. Von Uwe Köster Der HCL wird gern als der FC Bayern des Frauenhandballs bezeichnet. Die Jagdszenen nach dem Schlusspfiff gestern halten den Vergleich mit den Münchnern nach deren Meisterschaftsgewinn absolut stand. Wie der Fußballmeister im Berliner Olympiastadion verfolgen Leipziger Spielerinnen in der Arena listig Trainer und Manager, um Bier oder Sekt über deren Köpfe zu gießen, zwischendurch wird getanzt und gejubelt, abgeklatscht und umarmt. Es kostet Mühe, alle zur Siegerehrung zusammenzutrommeln. Mit einigem Pomp gibt's schließlich die Medaillen und die Schale, zum goldenen Konfetti-Regen wird weiter gekreischt und gefeiert.

 

Erst dröhnt die ultimative Meisterhymne "We are the Champions", dann folgt der Party-Hit "Wir feiern die ganze Nacht". Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass viele der Meisterinnen das unbedingt wörtlich nehmen. Inmitten des Trubels steht der Trainer, von den vielen Duschen völlig durchnässt, jedoch glückselig strahlend und sagt: "Man kann eigentlich nur dankbar sein, dass man das erleben darf." Heine Jensen meint das Freudenfest und die vorhergegangenen 60 Spielminuten. Die sind nichts für schwache Nerven. Nur einmal, beim 7:4 (17.) sieht es so aus, als ob der HCL die Sache schnell klären kann. Doch Bayer lässt sich nicht abschütteln, geht in Halbzeit zwei mehrfach in Führung, einmal (12:14/43.) sogar mit zwei Treffern Vorsprung. Das Publikum in der fast vollen Arena erlebt kein schönes Handballspiel, aber das hat wohl auch niemand erwartet. Das Finale ist ein Fight der Abwehrreihen, die beiderseits Großes leisten, und ein Duell der Torhüterinnen. Das gewinnt Leipzigs Katja Schülke - auch deshalb wird der HCL Meister. Doch bis in die Schlussminuten steht das Match auf Messers Schneide, es wird hektisch, als ein Leipziger Trommler mit den Stöcken auf einen Schiri losgehen will, sogar sehr hektisch. Zu allem Überfluss kassiert fünf Minuten vor Schluss Sara Holmgren, d i e Säule und Chefin der HCL-Abwehr, ihre dritte Zweiminutenstrafe und darf fortan nur noch zuschauen.

 

Gemeinsam mit ihrer schwangeren Teamkollegin Renate Urne verfolgte sie die Schlussphase bibbernd hinter der Bank, Urne gesteht: "Das ist sooo spannend, ich habe keine Fingernägel mehr." Vier Minuten vor Schluss führt Leverkusen noch (19:20), doch dann behalten nacheinander Mette Ommundsen, Karolina Kudlacz und schließlich Susann Müller die Nerven - die Meisterschaft ist vollbracht. Es kommt die Zeit der Gefühle. "Zu Hause Meister zu werden, ist noch viel, viel schöner als letztes Jahr auswärts. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl", sagt Mette Ommundsen. Katja Schülke kann sich an den proppevollen in gelb-blau getauchten Tribünen nicht satt sehen. "Einfach toll, dass so viele Zuschauer gekommen sind, die waren der achte Mann heute. Ich hatte jedoch nie Zweifel, dass wir es schaffen. Ich wusste ja, dass das so eng wird, so ist es auch gekommen." Noch eine Stunde nach Spielschluss wird sich auf dem vom vielen Bier und Sekt klebrigen Parkett umarmt, besonders Party-wütige Spielerinnen wie Susann Müller, Anne Ulbricht oder Natalie Augsburg geben per Karaoke die "schöne Maid". Kay-Sven Hähner wird gefragt, wie es weitergeht, und da sieht der Manager wieder Parallelen zum Fußballmeister. "Bayern München hört auch nicht auf zu spielen. Wir wollen immer wieder deutscher Meister werden." Jensen denkt noch nicht so weit und findet: "Jetzt wollen wir erst einmal feiern." Seine Mädels sind schon voll dabei.

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Sa. 11.09.10, 16:00 Uhr
FHC Frankfurt/Oder - HCL

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