Genießen, genießen, genießen – das war mein Motto der letzten Woche. Zunächst galt es, die vielen Gefühle und Emotionen erstmal sacken zu lassen und zu realisieren, dass der große Traum von der Titelverteidigung wirklich wahr geworden ist. Dies ist mir erst Mitte der Woche gelungen, als ich endlich ein bisschen Zeit für mich hatte. Zuvor wurde gefeiert, ein bisschen geschlafen und dann weitergefeiert. Der schönste Moment der Meisterschaft war für mich die Sekunde, als ich begriff, dass wir es schaffen würden. In diesem kleinen Moment purzelte alles von mir ab und ich wäre am Liebsten jauchzend durch die Halle gehüpft. In den sechzig Minuten zuvor, hätte ich vor Anspannung und Aufregung explodieren können. Eine Einwechslung ist wie eine Erlösung, denn wenn man auf dem Spielfeld steht, wird man ruhig und abgeklärt. Auf der Bank hingegen schreit man bis zum Schwindelgefühl, springt auf und wird vom Schiedsrichter gezwungen sich wieder hinzusetzen (zehn Sekunden später steht man doch wieder) und versucht, das Team mit allen Mitteln zum Sieg zu peitschen. Mit dem Abpfiff lagen wir uns endlich in den Armen, Tränen kullerten und die ersten Sektduschen regneten auf uns nieder.
Die ausgelassene und spontane Feierlichkeit auf dem Parkett, auf dem wir in den letzten Monaten Spiel für Spiel gekämpft und gesiegt hatten, ist die Belohung für eine lange und harte Saison. Die Fans waren nicht unvorbereitet: 40 Flaschen Sekt und ein Kasten Bier warteten versteckt hinter der Bande auf ihre Entdeckung und in Rekordzeit gelang es uns, die feinen Tropfen zu verschütten. Rückblickend sind dies die Augenblicke, die man niemals vergessen wird. Schon am Montagabend trafen sich viele müde Mädels wieder, um den Meistertag Revue passieren zu lassen. Wir sahen uns die vielen, vielen Bilder und Videos an, lachten viel und sprachen beim Grillen in ruhiger Atmosphäre über das Spiel und die lange Feierlichkeit. Am Freitag fuhren Sara Holmgren, Ania Rösler, Jule Plöger, Maike Daniels und ich sehr spontan zu einem zweitägigen Ausflug in einen Freizeitpark. Leider waren alle anderen Mädels entweder zu Hause bei ihren Familien oder hatten wichtige Aufgaben in Leipzig zu erledigen. Doch wir machten das Beste daraus.
Keine Achterbahn war sicher vor uns und wieder einmal schrien wir uns die Seele aus dem Leib. Die kleine Reise rundete die erste Woche als Titelverteidiger sehr schön ab. Den richtigen Saisonabschied, wo dann auch alle Spielerinnen wieder da sind, planen wir für Anfang Juni. Was wir da vorhaben, verrate ich aber noch nicht. Ich versuche mich noch ein bisschen gegen den Alltag zu wehren und dieses tolle Gefühl fest zu konservieren, aber je mehr Zeit vergeht, desto schwerer fällt mir dies. Termine da, Termine hier und die alltäglichen Verpflichtungen holen einen schnell in die Realität zurück. Trotzdem hindert mich dies nicht daran, diese Aufgaben mit einem dicken, fetten Lächeln zu bewältigen und mit stolz geschwellter Brust durch die Welt zu gehen. Ich bin eben eine Genießerin ;-).