Diese Nachricht ist keine wirkliche Überraschung mehr: Susann Müller, Linkshänderin und mit 180 Toren maßgeblich am Meistertitel beteiligt, verlässt den HC Leipzig. In der kommenden Saison spielt die 22-Jährige für SK Aarhus, Zehnter der dänischen Eliteliga. Dort ist Morten Arvidsson Coach, der von 2006 bis 2008 HCL-Trainer war und Susann Müller damals ins Bundesligateam holte. Der Kontakt Müllers zu ihrem Mentor war seither nie abgerissen. Natürlich war Müllers Abschied gestern Thema bei der Meisterfeier im Krystallpalast. Dort wurde in einem Film die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte noch einmal in Erinnerung gerufen, Reden, Varieté-Programm sowie Speis und Trank sorgten für einen kurzweiligen Abend. Emotionaler Höhepunkt waren die Verabschiedungen von Sara Holmgren, Lisa Virén, Henrike Schuderer und eben Susann Müller ("Ich folge meinem Herzen") - Tränen inklusive.
Der 1,86 Meter große Rückraum-Star war 2003 aus Saalfeld nach Leipzig gekommen, beim HCL erst zur Bundesliga- dann zur Nationalspielerin gereift. Die als nicht einfach geltende Thüringerin erlebte sportlich ein turbulentes Jahr - schwachen Leistungen mit teilweiser Verbannung auf die Tribüne in der Champions League folgten starke Spiele im Meisterschafts-Endspurt. Ursache der Schwankungen lagen im privaten Bereich. Müller hatte schon im Winter keinen Hehl daraus gemacht, dass sie gerne nach Dänemark wechseln würde. Spätestens seit dem Outing ihrer Liebesbeziehung zu Auswahlkollegin Nina Wörz (lebt und spielt im 40 Kilometer von Aarhus entfernten Randers) schien die Sache akut. Allerdings hatte sie bis 2011 noch Vertrag beim HCL, und der wollte nach Ulrike Stange nicht noch eine Spielerin zum Freundschaftspreis ziehen lassen. Erschwerend kam hinzu, dass Aarhus unter der Saison knapp an einer Insolvenz vorbeischrammte und eine Ablöse zunächst nicht aufbringen konnte. Von Offerten anderer Vereine ist nichts bekannt. Nun hat Aarhus/Arvidsson die Transfersumme doch aufgebracht.
HCL-Manager Kay-Sven Hähner mag die Zahl nicht nennen, "marktüblich" dürften es um die 60 000 Euro sein. "Natürlich ist es schade, dass Susi geht", sagt Hähner, "aber wenn Kopf und Herz nicht an einem Ort sind, macht es wenig Sinn." Ersatz für Müller soll zunächst nicht verpflichtet werden. "Wir haben sieben Rückraumspielerinnen", meint der Manager. Aber keine Linkshänderin. "Stimmt, aber das ist nun nicht zu ändern und muss nicht viel zu sagen haben. Russland ist schließlich ohne Linkshänderin Weltmeister geworden."